Geschichte Gozos

Geschichte Gozos

Gozos Werdegang ist eng verknüpft mit der Geschichte Maltas. Sie finden auf den maltesischen Inseln viele Zeugnisse früherer Bewohner und Kulturen und wir empfehlen Ihnen, für einen ersten Eindruck eine Tour in unserem Freizeitprogramm mitzumachen. So können Sie neben Englisch im Sprachkurs auch noch wertvolle Einblicke in die europäische Geschichte der letzten 7000 Jahre gewinnen.

Weiterführende Informationen zur Geschichte Maltas finden Sie hier:

Steinzeitliches Gozo - Ġgantija

Die ältesten Reste menschlicher Siedlungen auf Gozo sind auf 5000 v. Chr. datiert und gehören somit zu den ältesten Zeugnissen europäischer Vorgeschichte. Vermutlich stammten die ersten Siedler aus dem nur 88 km entfernten Sizilien und bevor sie weiter nach Malta vordrangen, lebten die ersten Menschen auf Gozo.

Das Dorf Ix-Xagħra liegt in einer sehr fruchtbaren Gegend, dies war vermutlich der Grund für die steinzeitlichen Menschen, hier zu siedeln. Auf dem Hochplateau befindet sich Ġgantija, einer der ältesten Tempel der Welt. Er wird auf 3600 v. Chr. datiert und ist zugleich der am besten erhaltene Tempel der maltesischen Inseln und heute auch Weltkulturerbe der UNESCO. Die ungeheuren Ausmaße der verwendeten Steine lassen heute noch staunen, wie damals ohne metallene Werkzeuge und vor der Erfindung des Rads transportiert und gebaut wurde. Kleinere kugelrunde Steine wurden in der Nähe gefunden, diese dienten vermutlich zum Transport der bis zu 5 Metern großen Steinblöcke, aus denen die Tempel gebaut wurden.

Knochenfunde belegen die These, dass dort auch Tiere geopfert wurden. Die Innenwände der Tempel wurden mit Lehm verputzt und bemalt, wahrscheinlich waren die Tempel auch mit Dächern versehen, Feuerstellen lassen den Schluß zu, dass dort auch das Feuer bewahrt wurde.

Weitere Informationen finden Sie hier: www.ploync.de/reisen/malta/tempel-ggantija-malta

Nicht weit vom Dorf liegen 2 Tropfsteinhöhlen und auch die sagenhafte Grotte, in der Odysseus auf seiner Irrfahrt für etliche Jahre den Reizen der Nymphe Calypso erlag.

Gozo in der Antike

Als phönizische Händler und Seefahrer vom heutigen Libanon aus die maltesischen Inseln ansteuerte, brachten sie das Färbehandwerk und den Seehandel auf die Insel. Nach den Phöniziern folgten die Punier, dann beeinflussten die Griechen kurzzeitig Malta und Gozo. Nach den punischen Kriegen integrierten die Römer die Inseln in ihr Reich und nutzen sie als Umschlagplatz für den Handel mit Honig und Olivenöl.

Der Apostel Paulus erlitt im Jahr 60 Schiffbruch auf Malta erlitt und brachte das Christentum unter die Leute. Die Araber eroberten rund 900 Jahre später Sizilien und kamen von dort aus auf den maltesischen Archipel. Ihr Einfluß vor allem auf die Sprache der Malteser war enorm, auch heute noch zeugen viele Orts- und Familiennamen davon. "Rabat" ist beispielsweise der alte, arabische Name der heutigen Hauptstadt Victoria.

100 Jahre später kamen die Normannen und brachten das Christentum wieder zum Erblühen. In der Folgezeit wechselte die Herrschaft mehrmals: deutsche, französische und spanische Adelshäuser wurden die Lehnsherren, aus dieser Zeit sind noch Grabsteine und Kunstgegenstände erhalten, die heute im Museum der Archäologie in Victoria besichtigt werden können.

Informationen finden Sie auch hier: www.visitgozo.com/de/item/museen/archaologie-museum-1093

Gozo im Mittelalter

Im Zeitalter der Kreuzzüge ließen sich die Ritter des Johanniterordens auf Malta nieder, nachdem sie ihr bisheriges Hauptquartier in Rhodos an die Osmanen verloren hatten. Gozo wurde aber nicht so gut ausgebaut und ausgerüstet wie Malta und litt daher stark unter den Überfällen der Osmanen.

Ab 1551 wurde Gozo von einer großen türkischen Armee angegriffen und die Zitadelle von Victoria lange belagert. Die eingeschlossenen Gozitaner kapitulierten bald und nahezu die gesamte Bevölkerung von 5000 Einwohnern wurde in die Sklaverei verkauft. Erst nachdem die Belagerung von Malta 1565 mit einem knappen Sieg der Malteser beendet wurde, konnten die Türken endgültig vertrieben werden. Der Malteserorden verstärkte seine Präsenz und die Befestigungen der Inseln, wobei endlich auch Gozo unterstützt wurde.

Franzosen und Briten auf Gozo

Bis zur napoleonischen Besatzung von 1798 blühte Gozo wieder auf, die Dörfer wurden besiedelt und zu Städten ausgebaut, neue Gebäude und viele Kirchen entstanden. Mit Beginn der französischen Herrschaft verließ der Malterorden Hals über Kopf die Insel, das Rechts- und Bildungssystem Maltas wurde modernisiert und die Adelsschicht teilweise enteignet. Die Kosten für die französische Besatzungsarmee wurden zunächst dadurch aufgetrieben, dass alles Wertvolle aus Palästen und Villen entfernt wurde. Als dies nicht mehr reichte, waren die Kirchen dran, was die hoch katholische Bevölkerung derart erzürnte, dass die Franzosen nach nur 3 Monaten Aufenthalt alle ihnen anfänglich entgegengebrachten Sympathien verspielt hatten.

In Gozo nahm der Aufstand gegen die Franzosen seinen Anfang, die Briten halfen mit einigen Soldaten den Gozitanern. Nach zwei Jahren und weiterer massiver Mithilfe der Briten waren alle französischen Truppen vertrieben und Malta war von nun an britisch. Die Infrastruktur auf Gozo wurde verbessert und ein Aquädukt gebaut, der die Hauptstadt Victoria mit Trinkwasser versorgte. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt der Leuchtturm von Ta' Gurdan, der immer noch in Betrieb ist.

Gozo wurde 1864 zu einer von Malta unabhängigen Diözese, nachdem sich die Gozitaner fast 70 Jahre darum bemüht hatten. Mehrmalige Besuche im Vatikan und Audienzen beim Papst zeigten schließlich Wirkung: Gozo und Comino wurden zum Bistum erklärt und bekamen einen eigenen Bischof, der in der Kathedrale Mariä Himmelfahrt in der Zitadelle von Victoria geweiht wurde.

Gozo im 20. Jahrhundert

Während der beiden Weltkriege wurde Gozo weitgehend von Bomben verschont, weil dort keine militärisch relevanten Ziele waren, während Malta aufgrund seiner Position als Militärbasis für die Alliierten Kräfte ständig beschossen wurde und die dortige Bevölkerung sogar Hunger litt. König Georg VI ehrte 1942 die gesamte Bevölkerung Maltas mit dem Georgskreuz für ihre Standhaftigkeit während der entbehrungsreichen Zeit. Dieses Kreuz ist übrigens auch auf der maltesischen Flagge abgebildet.

Nach dem Krieg mehrten sich unter den politischen Parteien die Stimmen für eine Unabhängigkeit. Das Britische Empire hatte sich in den Commonwealth gewandelt und Malta war nicht mehr wichtig als strategischer Punkt im Mittelmeer. Ersten offiziellen Anfragen im britischen Parlament um Unabhängigkeit wurde nach 2 Jahren zähen Verhandelns entsprochen und seit 1964 ist Malta selbständig.

Die letzten britischen Soldaten verließen allerdings erst am 31.03.1979 die Insel, dieser Tag bereichert seitdem den umfangreichen maltesischen Feiertagskalender als "Freedom Day". 1974 erklärte sich Malta zur Republik und trat schließlich 2004 der Europäischen Union bei. 2008 wurde der €uro als offizielles Zahlungsmittel eingeführt.